
Tschaika von Matthias Siebert

Reinkarnation einer technischen Legende
Seit einigen tausend Jahren beschäftigen sich Menschen
der verschiedensten religiösen Strömungen mit
dem Thema Reinkarnation oder der Wiedergeburt. Ob es eine
Wiedergeburt nach dem biologischen Ableben gibt, scheint
doch eher nicht bewiesen zu sein. Anders aber sieht es
mit einem technischen Objekt aus, welches sogar nach seiner
Wiedergeburt besser geworden ist als es im Ursprung war.
Wie es in der Regel allen technischen
Produkten nach ihrer kalkulierten Nutzungsdauer ergeht,
landen sie auf dem Schrottplatz oder in Ausnahmefällen als erhaltenswertes technisches
Kulturgut in Privatbesitz bzw. in einem Museum. Das ein
schrottreifes Fahrzeug als Oldtimer gerettet und rekonstruiert
wird, ist in der heutigen Zeit eine beliebte Freizeitbeschäftigung
geworden. Der Versuch aber, eine alte technische Fahrzeugentwicklung
auf ein modernes Niveau bezogen auf Leistung, Form und
Material zu bringen, könnte dem Gedankengut der Reinkarnation
doch schon eher nahe kommen.
Dieser Versuch wurde mit Erfolg durch Mitglieder des Ost
Klassiker Klubs Wolkramshausen an einem ausgedienten Barkas
B 1000-1 unternommen.
Mit der 1961 begonnenen Serienproduktion
des Kleintransporters Barkas B 1000, ein Nachfolgemodell
des Framo, in den ehemaligen VEB Barkas – Werke, Karl – Marx – Stadt,
wurde ein vielseitig einsetzbares Fahrzeug auf den Markt
gebracht, welches technisch und optisch auf der Höhe
seiner Zeit war. In 3 Grundvarianten mit verschiedenen
Nutzungsaufbauten und einer Nutzlast von 1000 kg, war das
Fahrzeug in allen Bereichen der Wirtschaft und der Gesellschaft
sehr begehrt. Bis 1991 wurden davon 175.740 Exemplare gebaut.
Als am 10.April 1991 durch den VW
Konzern die Produktion des Barkas B1000 übernommen und im Rahmen der Markbereinigung
in Folge eingestellt wurde, gingen nicht nur tausende Arbeitsplätze
verloren, es wurde auch eine technische Entwicklung beendet,
welche durchaus eine Zukunftschance gehabt hätte.
Der Barkas B 1000 war ein solides Nutzfahrzeug mit einem
unverwechselbaren Gesicht im täglichen Verkehrsgeschehen.
Mit seinem unverwechselbaren Aussehen, diente er als Vorlage
in der Spielzeug- und Modellbauindustrie und war auch Bestandteil
des Fahrzeugparks beim abendlichen Sandmann, des ehemaligen
DDR – Fernsehens.
Das Wissen um die Geschichte des
Barkas B1000 aber auch die optischen Reize seiner alten
Formen und die persönlichen
Erlebnisse mit diesem Fahrzeugtyp, waren oft Thema in der
Fahrzeugschmiede von Matthias Siebert, welche auch als
regelmäßiger Treffpunkt den Klubmitglieder in
Wolkramshausen, dient.
Vor 18 Monaten wurde dann unter der
Leitung von D. Steinecke, der Entschluss gefasst, einen
Barkas zu erwerben und diese technische Legende mit einem
neuen Leben zu erfüllen.
Ziel der Planungen war es, einen Barkas B 1000-1 mit neuster
Technik auszustatten, ein modernes Aussehen unter Beibehaltung
der ursprünglichen Gestaltungslinien zu entwerfen,
die ehemals bescheidene Kabinenausstattung zu veredeln
und eine Verbesserung der Fahreigenschaft zu erreichen.
Dabei wurde auch darauf geachtet, dass die Pritschenvariante
des Fahrzeuges erhalten blieb aber ebenfalls eine hochwertige
Veredelung erfuhr.
Zahlreiche Arbeitsstunden und auch
sehr viel Geld wurde in diese Projekt gesteckt. Das ehemalige
Schrottfahrzeug hat nun ein neues Leben erhalten und
seine technischen Parameter aber auch sein optisches
Erscheinungsbild zeigen, dass der Traum, einen neuen
Barkas zu bauen, zu mindestens in einer kleinen Wolkramshäuser Fahrzeugschmiede,
Realität geworden ist.
Am vergangenen Wochenenden, wurde
der wiedergeborene Barkas
B 1000 – 1 von D. Steinecke ebenso wie der Wolga
M 24 von M. Siebert, in Magdeburg auf der diesjährigen
OMMMA einem fachkundigen Publikum vorstellen.

Weitere Informationen: www. oldtimer-wolkramshausen.de
Hubert W. Rein